Anfang Juni standen gleich zwei der wichtigsten Entwicklerkonferenzen des Jahres auf dem Programm: die Microsoft Build 2026 in San Francisco sowie die Apple Worldwide Developers Conference (WWDC26) in Cupertino.
Während Microsoft seine Plattform konsequent in Richtung agentischer KI-Systeme weiterentwickelt, versucht Apple mit einer vollständig überarbeiteten Siri und einer neuen Generation von Apple Intelligence den Anschluss im KI-Wettbewerb aufzuholen.
Für Entwickler waren beide Veranstaltungen äußerst spannend. Schauen wir uns die wichtigsten technischen Ankündigungen genauer an.
Microsoft Build 2026: Vom Copiloten zum autonomen Agenten
Bereits in den vergangenen Jahren war klar erkennbar, dass Microsoft seine gesamte Plattform rund um Copilot und Azure AI aufbaut. Auf der Build 2026 wurde jedoch deutlich, dass der nächste Schritt deutlich größer ausfällt: weg von einfachen Assistenten, hin zu autonomen KI-Agenten.
Agentic AI wird zur zentralen Plattform
Im Mittelpunkt der Keynote von Satya Nadella standen sogenannte „Agentic AI Systems“. Diese Systeme können Aufgaben nicht nur beantworten, sondern selbstständig planen, Entscheidungen treffen und Aktionen ausführen. Microsoft integriert diese Fähigkeiten in: GitHub Copilot, Azure AI Foundry, Copilot Studio und Microsoft 365 Copilot.
Neu vorgestellt wurden unter anderem:
- Microsoft IQ für kontextbezogene Wissensgrundlagen
- Web IQ für aktuelle Web-Informationen
- Frontier Tuning zur Anpassung von Agenten an Unternehmensrichtlinien und Compliance-Anforderungen
Damit werden KI-Agenten zunehmend zu digitalen Teammitgliedern, die eigenständig Aufgaben übernehmen können.
GitHub Copilot wird zur Desktop-Anwendung
Eine der spannendsten Neuerungen für Entwickler ist die neue GitHub-Copilot-App . Sie bringt agentische Workflows direkt auf den Desktop und erweitert den bisherigen Editor-basierten Ansatz erheblich. Statt nur Codevorschläge zu liefern, kann Copilot künftig ganze Aufgabenketten koordinieren.
Neue MAI-Modelle
Microsoft stellte außerdem neue Modelle der MAI-Familie vor, darunter:
Damit verfolgt Microsoft weiterhin das Ziel, eigene Modelle als Alternative zu externen Anbietern bereitzustellen. Besonders für Unternehmensanwendungen sollen diese Modelle bessere Steuerbarkeit und Governance ermöglichen.
Windows wird zur KI-Entwicklungsplattform
Auch Windows erhielt zahlreiche Verbesserungen für Entwickler:
- neue lokale Agent-Sandboxes
- erweiterte WSL-Funktionen
- intelligentere Shell- und Terminal-Experiences
- verbesserte lokale KI-Ausführung
Microsoft verfolgt damit das Ziel, lokale KI-Entwicklung deutlich einfacher zu machen. Entwickler sollen Modelle und Agenten zunehmend direkt auf ihren Geräten ausführen können.
Worauf können sich Entwickler freuen?
Die Build 2026 hat gezeigt, dass Microsoft die Zukunft nicht mehr in einzelnen KI-Assistenten sieht. Stattdessen entsteht ein Ökosystem aus spezialisierten Agenten, die miteinander kommunizieren und komplexe Aufgaben lösen können.
Besonders spannend werden in den kommenden Monaten:
neue Agent Frameworks GitHub Copilot als Agent-Plattform Azure AI Foundry lokale KI-Entwicklung unter Windows weitere MAI-Modelle
Weitere Informationen:
- Microsoft Build 2026: Microsoft Build 2026
- Build Live Blog: Microsoft Build Live Blog
WWDC26: Apple setzt alles auf Siri AI
Nur wenige Tage nach der Build-Konferenz fand am 8. Juni die WWDC26 statt.
Nachdem Apple in den vergangenen Jahren für Verzögerungen bei Apple Intelligence kritisiert wurde, stand die diesjährige Keynote ganz im Zeichen einer komplett überarbeiteten Siri.
Siri AI - Apples wichtigste Ankündigung
Die größte Neuigkeit der WWDC26 war die Vorstellung von “Siri AI”.
Die neue Generation von Siri bietet:
- deutlich natürlichere Gespräche
- Verständnis komplexer Zusammenhänge
- Zugriff auf persönliche Informationen
- appübergreifende Aktionen
- Kontextverständnis über mehrere Schritte hinweg
Zusätzlich erhält Siri erstmals eine eigene App und wird tief in Apple Intelligence integriert.
Google Gemini als Technologiepartner
Besonders überraschend war die Bestätigung, dass Apple bei der neuen Siri auf eine Kombination aus eigenen Modellen und Google Gemini setzt.
Damit verabschiedet sich Apple zumindest teilweise von dem Ansatz, sämtliche KI-Technologien ausschließlich selbst zu entwickeln.
Apple Intelligence wird zum Betriebssystem-Feature
Apple Intelligence zieht künftig durch nahezu alle Plattformen:
- iOS 27
- iPadOS 27
- macOS Golden Gate 27
- visionOS 27
Die KI-Funktionen werden dabei stärker in bestehende Anwendungen integriert und treten weniger als eigenständige Produkte auf.
Wie bereits bei den ersten Versionen von Apple Intelligence erfolgt auch bei den auf der WWDC26 vorgestellten KI-Funktionen die Einführung schrittweise. Viele Features werden zunächst nur auf Englisch unterstützt und stehen in Regionen wie der Europäischen Union oder China teilweise erst zu einem späteren Zeitpunkt oder mit eingeschränktem Funktionsumfang zur Verfügung.
Verbesserungen für Entwickler
Für Entwickler besonders interessant:
- neue Suchinfrastruktur in den Betriebssystemen
- stärkere Integration von KI in Frameworks
- schnellere Core-Systeme
- erweiterte APIs für Apple Intelligence
- bessere Performance auf Apple Silicon
Apple betonte mehrfach, dass viele Optimierungen direkt auf Entwickler abzielen und die App-Ausführung beschleunigen sollen.
Das Ende der Intel-Ära
Ein weiterer Meilenstein: macOS Golden Gate 27 unterstützt erstmals keine Intel-Macs mehr.
Damit ist die Migration auf Apple Silicon praktisch abgeschlossen. Für Entwickler bedeutet dies künftig eine deutlich homogenere Plattform.
Worauf können sich Entwickler freuen?
Für Apple-Entwickler stehen in den kommenden Monaten insbesondere folgende Themen im Fokus:
- Siri AI APIs
- Apple Intelligence Integration
- neue KI-Funktionen innerhalb von Apps
- Optimierungen für Apple Silicon
- visionOS als langfristige Plattform
Weitere Informationen:
- WWDC26: WWDC26 Developer Portal
- WWDC26 Keynote: WWDC26 Keynote Video
Fazit
Ob Microsoft oder Apple – beide Unternehmen haben auf ihren diesjährigen Entwicklerkonferenzen deutlich gemacht, dass künstliche Intelligenz längst kein Zusatzfeature mehr ist.
Microsoft setzt auf autonome Agentensysteme, die ganze Arbeitsabläufe übernehmen können. Apple konzentriert sich auf die tiefe Integration von KI in das Benutzererlebnis und stellt mit Siri AI die wohl größte Siri-Überarbeitung seit ihrer Einführung vor.
Für Entwickler bedeutet das vor allem eines: Die kommenden Monate werden von neuen APIs, Agent-Architekturen, lokalen KI-Modellen und intelligenten Benutzeroberflächen geprägt sein.
Die eigentliche Frage lautet daher nicht mehr, ob KI Teil unserer Anwendungen wird – sondern wie wir sie sinnvoll in unsere Software integrieren.